Gesetzliche Rentenversicherung – Einblick ins Ausland

Der Blick in die Rentenkasse der Deutschen Rentenversicherung ist ernüchternd. Immer mehr Rentenempfänger stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber. Die Anzahl der Empfänger extrem geringer Renten wird immer größer. Mittlerweile kann auch in Deutschland von Altersarmut gesprochen werden. Und die Aussichten sehen eher eine Verschlimmerung als eine Verbesserung auf uns zukommen. Immer wieder neue Rentenreformen versuchen eine Form nicht immer nachvollziehbarer Gerechtigkeit in das Verteilungssystem zu bringen, aber Rentenreformen schaffen kein zusätzliches Geld, sondern Umverteilung vorhandener Mittel. Ein Blick ins europäische Ausland führt da weiter. Dabei fällt auf, dass z.B. in skandinavischen Staaten, in Österreich und der Schweiz für Rentner eine ganz andere Einkommenssituation anzutreffen ist, die im wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass im Laufe der Erwerbsbiografie von Arbeitnehmern ein wesentlich höheres Einkommensniveau als Grundlage der abzuführenden Sozialversicherungsbeiträge zu wesentlich höheren Rentenansprüchen führt. Im direkten Vergleich kann das bis zu 1.000 € monatlich betragen, wie eine Studie über die Österreichische Rentenkasse feststellt. Im Rückschluss auf die Bundesrepublik kommt man zu folgenden Feststellungen: die Einkommensentwicklung bei uns ist seit gut zehn Jahren die geringste im ganzen Euroraum, das Segment des Niedriglohn-Sektors ist extrem groß, viele reguläre Arbeitsplätze sind in Teilzeittätigkeiten zerlegt worden, die dann meist unterhalb der Sozialversicherungsgrenze liegen und die Leiharbeit spaltet vom regulären Lohn einen nicht geringen Teil des aufgebrachten Geldes in Gewinne der vermittelnden Unternehmen ab, das dann nicht mehr in der Rentenkasse landet, sondern als Unternehmenssteuer im allgemeinen Steueraufkommen untergeht. Einerseits haben all diese Tendenzen die deutsche Wirtschaft in ihrer Konkurrenzfähigkeit gefördert, die gesetzliche Rentenversicherung aber massiv negativ beeinflusst. Daran könne die Sozialabgaben aus Niedriglöhnen auch keine Abhilfe leisten. Für Tätige wie für den Staat sind Jobs mit geringer Entlohnung zwar immer noch besser als Arbeitslosengeld und Hartz IV, aber eine Wirtschaft, die wie die Deutsche in den letzten zehn Jahren die Arbeitnehmer nicht ausreichend und flächendeckend an den sehr guten Unternehmensgewinnen beteiligt, produziert Altersarmut. Scheinbar hat nicht die Rentenversicherung Reformen nötig, sondern Teile der Deutschen Wirtschaft.

Neulich am Berliner Hauptbahnhof

Das Erscheinungsbild unserer Gesellschaft hat sich verändert. Die Gruppe der Menschen in unserer Gesellschaft, die in Armut leben, ist nicht mehr zu übersehen. Vornehmlich sind es altere Menschen, Rentner, deren monatliches Einkommen nicht mehr zum Leben reicht. Glauben Sie nicht? Verbringen Sie doch mal an einem Sonntag eine ruhige Stunde auf dem Berliner Hauptbahnhof, sonntags gibt es keinen oder nur wenig Berufsverkehr, da fallen Ihnen dann Dinge auf, die sonst im Alltagsgewimmel untergehen. Ich saß am letzten Sonntag – unfreiwillig – eine Stunde auf dem Berliner Hauptbahnhof und wartete auf den Zug. Aus meinem anfänglichen Ärger über eine nicht nur in allem perfekte Deutsche Bahn wurde allmählich Demut. Ich beobachtete viele Menschen, die , anders als ich, nicht hätten reisen können, die statt auf einen verspäteten Zug zu warten mit der Hoffnung, ein wenig Essbares zu finden, Müllbehälter durchsuchten und sich über Dinge freuten, die in mir Ekel erregt hätten. Es ist angekommen, das Bild der Armut in unserem Land. Und es sollte uns alle stören! Ich will nicht missverstanden werden und den Anschein erwecken, irgendwie politisch wirken zu wollen, eine ideologische Haltung einzunehmen oder gar am Ende sogar so tun, als hätte ich die Lösung für die sozialen Probleme unserer Gesellschaft. Aber wer so eine Stunde auf dem Bahnhof erlebt, weiß plötzlich, dass es eine Anstrengung aller sein wird und sein muss, ausgegrenzte Menschen wieder zu einem wirklichen Teil unserer Gesellschaft zu machen. Statt uns in der Diskussion über Lösungswege gegenseitig zu behindern oder gar zu diffamieren, sollten wir miteinander handeln: alle Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Kirchen aller Konfessionen. Gehen Sie sonntags mal für eine Stunde auf den Bahnhof…