Zahl der verunfallten Fußgänger steigt!

Im Jahr 2016 erhöhte sich die Zahl der im Straßenverkehrs verunfallten Fußgänger auf fast 32.000! Das ist im zweiten Jahr in Folge eine Steigerung; gesunken ist dagegen die Zahl der bei diesen Unfällen getöteten Fußgänger. Das stimmt dennoch nicht hoffnungsvoll, denn die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fußgänger lag immer noch bei 490.

Und dabei sind es immer wieder die selben Muster, nach denen die Unfälle passieren: das plötzliche Auftauchen zwischen zwei parkenden Fahrzeugen, das Überqueren von Fahrbahnen an nicht dafür vorgesehenen Stellen unter bewusster Missachtung von Ampeln und Zebrastreifen.

Auch die Sichtverhältnisse spielen immer wieder eine entscheidende Rolle. Nach Einbruch der Dunkelheit kann dunkle Kleidung zum Verhängnis werden. Kommt dann noch Regen oder Nebel dazu, ist der Unfall vorprogrammiert. In der Dunkelheut sollten immer nur helle und kontrastreiche Kleidung mit reflektierenden Elementen getragen werden.

Gesehen werden ist das eine, sehen das andere. Wer als Fußgänger ständig mit gesenktem Kopf mit dem Blick auf das Smartphone durch die Gegend geht, braucht sich nicht wunder, wenn er mit dem Kopf gegen eine Laterne stößt oder gar schlimmeres passiert. Fahrlässig ist ebenfalls die akustische Abschottung zur Umwelt durch Kopfhörer. Daraus entstehen in der Regel bei Unfällen, die aus solchem Fehlverhalten resultieren, auch rechtliche Konsequenzen. Wer sich durch den Verkehr bewegt, muss mit dem Verkehr in Kontakt stehen!

Muss ein Motorradfahrer Schutzkleidung tragen? Ein Gerichtsurteil klärt auf!

Das Oberlandesgericht München hatte sich im letzten Jahr mit einem Fall zu beschäftigen, bei dem die Frage, in wie weit einem Motorradfahrer wegen des Nicht-Tragens von Schutzkleidung im Fall eines Unfalls mit Personenschaden eine Mitschuld zugewiesen werden kann (Az.: 10 U 4256/16). Der Fahrer eines Leichtkraftrades war auf einer innerstädtischen Straße unterwegs, als es zu einem Zusammenstoß mit einem PKW kam. Dabei wurde der Fuß des Krad-Fahrer schwer verletzt. Im Rahmen einer Gerichtsverhandlung konnte trotz Teilnahme eines Sachverständigen die Schuldfrage nicht wirklich beantwortet werden. Das Schuldmaß wurde zu gleichen Teilen den beteiligten Parteien beigemessen. Da der Motorradfahrer aber ein Schmerzensgeld vom Versicherer der Gegenseite einforderte, brachte die gegnerische Partei den Umstand ins Spiel, dass der Krad-Fahrer statt Motorradstiefel Turnschuhe trug und forderte, dies als zusätzlichen Schuldanteil anzurechnen.

Dem wollte sich das Oberlandesgericht jedoch nicht anschließen. Zum einen gäbe es außer der gesetzlichen Forderung nach Tragen eines Helmes keine zwingende Vorschrift zur weiteren Bekleidung, zum anderen ließe sich der Nachweis der Begrenzung der Unfallfolgen durch anderes Schuhwerk nicht zweifelsfrei führen. Es blieb bei der Forderung nach Schmerzensgeld in der Höhe von 50%.

 

Stolperfalle Stöckelschuh

Frauen, die Stöckelschuhe mit einer kleinen Absatzfläche tragen, haben eine besondere Umsichtigkeit an den Tag zu legen. Im vorliegenden Fall blieb eine Frau in einer Fußmatte im Eingangsbereich eines Theaters mit ihrem Absatz hängen und kam zu Fall. Die Folge war ein Bruch des Mittelfußes und die Forderung nach Entschädigung und Schmerzensgeld. Mit diesem Fall waren zwei Gerichte befasst. Das Oberlandesgericht Hamm sprach ein eindeutiges Urteil (Az.: 11 U 127/15) und bestätigte damit das erste Urteil des Landgerichts Essen.

Was war passiert. In der Pause einer Theatervorstellung verließ eine Theaterbesucherin das Theater und ging vor die Tür. Sie trug Stöckelschuhe mit einer Absatzhöhe von 4,5 cm und einer extrem kleinen Absatzfläche. Beim Wiederbetreten des Theaters blieb die Frau mit einem Absatz in der serienmäßigen Perforation einer Fußmatte hängen und stürzte mit der Folge eines Mittelfußbruches. Die Forderung nach Entschädigung und Schmerzensgeld wurde vor Gericht abgewiesen. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass es sich bei der Fußmatte um ein völlig übliches Modell handelte, wie es in den Eingangsbereichen öffentlicher Gebäude üblich ist und keinen Defekt aufwies. Es stellte sich zusätzlich heraus, dass bei entsprechend umsichtigen Gehens das Überwinden des vermeintlichen Hindernisses unproblematisch gewesen wäre. Immerhin passierte die Frau die “Gefahrenstelle” ja auch nicht zum ersten Mal. Es handelte sich also um ein sogenanntes beherrschbares Risiko, das mit angepasstem Verhalten hätte beantwortet werden müssen. Wer “schön” sein will muss Umsicht walten lassen.

Eine private Unfallversicherung hätte die Kosten getragen. Dumm gelaufen!