Die aggressive Form des Egoismus! Das Berliner Urteil zum Straßenrennen auf dem Kurfürstendamm – ein Kommentar

Seltsames tut sich, ja, Beunruhigendes, nicht erst seit gestern. Teile unserer Gesellschaft entwickeln seit  längerem eine immer stärker werdende Form eines aggressiven Egoismus, der jeden Respekt vor Mitmenschen und staatlicher Autorität vermissen lässt. Mir sagte vor kurzen ein dreister junger Mann, der sich an der Ladenkasse eines Supermarktes einer älteren Dame gegenüber rotz-unverschämt benahm: “Das ist die neue Welt! Jeder darf alles, wenn er der Stärkere ist”! Das spricht für sich! Das schildert das kollektive Bewusstsein einer materialistisch aus den Fugen geratenen Ellenbogen-Gesellschaft, in der “Egoismus” zum neuen moralischen Prinzip erhoben wurde. Was tun? Eigentlich würde eine solche Gesellschaft auf die Couch eines Psychiaters gehören, aber wie therapiert man eine Gesellschaft? Ich bin weder Psychologe noch Soziologe, aber ich bin davon überzeugt, dass die konsequente Anwendung unserer juristischen Grundordnung zur Regulierung gesetzwidrigen menschlichen Handelns ein wirksamer erster Schritt ist und vielen Bürgern unseres Staates wieder ein Gefühl von Vertrauen in die rechtsstaatliche Handlungsfähigkeit vermittelt und potentiellen Tätern die Hoffnung auf einen milden, zu unrecht nachsichtigen Rechtsapparat nimmt.

Zwei junge Männer veranstalten des Nachts auf Berlins Kurfürstendamm, einer Straße, die zu allen Tageszeiten belebt ist, ein Autorennen mit 160 kmh Höchstgeschwindigkeit. Dass dabei nicht nur die beiden Männer in Gefahr geraten, sondern wesentlich dritte gefährdet werden, kann dabei nicht als “begleitendes” Ereignis gewertet werden, dass man “bedauert”. Wer mit 160 kmh durch eine Innenstadt fährt, bewegt kein Auto als Verkehrsteilnehmer, sondern benutzt als potentieller Mörder eine Waffe. Tatsächlich kommt ein Unbeteiligter ums Leben. Bedauerlicher Umstand, aber nicht gewollt? Falsch!!! Wer mit einer Waffe ungezielt in eine Menschenmenge hineinballert, nimmt nicht nur den Tod eines oder mehrerer Menschen billigend in Kauf, sondern er handelt vorsätzlich und mittelbar als Mörder. Und genau so muss dieses Handeln auch genannt und geahndet werden. Bleibt die Hoffnung, dass die Revisionverhandlung zu keinem anderen Ergebnis kommt und unsere Justiz in Zukunft die breite der vorhandenen Mittel benutzt, statt unter Vernachlässigung der Opferinteressen ständig Nachsicht gegen Täter übt. Es geht um Fainess und Respekt gegen Jedermann! Stehen wir als zivile Gesellschaft gemeinsam gegen den brutalen Egoismus, der uns im Alltag begegnet, dann tun auch wir unseren Teil!

Ein unverbesserlicher Optimist