Ein hochgeschleuderter Stein und seine Folgen – Ein Gerichtsurteil

Es passiert täglich. Ein vorausfahrendes Fahrzeug schleudert einen Stein hoch und beschädigt damit ein folgendes Fahrzeug. Die Rechtslage der Haftung in solchen Fällen ist nicht ganz unkompliziert. Oft lässt sich der Verursacher gar nicht eindeutig feststellen, da Straßen häufig mehrspurig geführt werden. Hinzu kommt, dass das Schaden verursachende Fahrzeug von diesem Vorgang gar keine Eigenwahrnehmung hat. In unseren Fall kam es dennoch zu einer Auseinandersetzung, die erst vom Gericht durch ein Urteil beigelegt werden konnte (Landgericht Nürnberg-Fürth Az.: 2 S 2191/16).

Ein Mann führ mit seinem Fahrzeug in einem Baustellenbereich hinter einem LKW. Dieser schleuderte einen Stein hoch, der am Fahrzeug des späteren Klägers einen Schaden in Höhe von 1.400€ verursachte. Diese Summe wurde vom Halter des LKW, genauer von dessen Versicherung eingefordert. Diese weigerte sich, den Schaden zu übernehmen. In erster Instanz bekam der Kläger Recht, doch die Versicherung ging in Revision (passiver Rechtsschutz zur Abwehr unberechtigter Schadensforderungen). Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte sich dann mit diesem Fall zu beschäftigen und urteilte ganz anders.

Es wurde nicht in Abrede gestellt, dass der Schaden vom vorausfahrenden LKW verursacht wurde, da es sich um eine einspurige Straßenführung handelte, die an einer Baustelle vorbeiführte.  Die Forderung sei also grundsätzlich berechtigt. Da aber die Geschwindigkeit der Engführung der Straße angepasst war und die eigentliche Baustelle rechts neben der Fahrspur lag, brauchte der LKW nicht noch von einer zusätzlichen Ausnahmesituation ausgehen. Es wurde bei der Beweisaufnahme auch festgestellt, dass die Fahrbahn keine durch die Baustelle verschmutzte Fahrbahn aufwies. Bei dem Schaden bzw. dem auslösenden Ereignis des Steinschlags handelte es sich damit um ein unabwendbares Ereignis, das durch keinerlei fahrerisches Fehlverhalten ausgelöst wurde. Anders hätte der Fall ausgesehen, wenn der LKW Fahrer bei verschmutzter Fahrbahn seine Fahrweise nicht auf die Straßenverhältnisse eingestellt hätte. Da die Fahrbahn nicht verschmutzt war und der eigentliche Baustellenbereich weit rechts neben der Fahrspur lag, kann von keinem Falschverhalten ausgegangen werden.

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