Vom Umgang mit einer Rechtsschutzversicherung

“Herr Anwalt, das müssen Sie doch verstehen! Erst nimmt mir der Idiot fast die Vorfahrt, steigt dann aus, öffnet meine Autotür und beschimpft mich. Da hab ich ihm einfach eine reingezimmert! Jetzt zeigt mich der Blödmann auch noch an!” Der Anwalt zieht die Augenbrauen hoch, atmet durch und erklärt dem zukünftigen Mandanten, dass der Fall so wenig Aussicht auf Erfolg haben wird und die Anzeige nicht unbegründet ist. Auch die Rechtsschutzversicherung wird da nicht helfen und wohl auch nicht das Erstgespräch mit dem Anwalt übernehmen wird.

Was war schief gelaufen?

Natürlich kann ein normaler Bürger eine Rechtssituation nicht umfassend beurteilen, obwohl im geschilderten Fall der tätliche Angriff gegen einen Verkehrsteilnehmer eine Eindeutigkeit hat, die negativer gar nicht sein könnte. Dennoch wähnt sich der Angreifer im Recht und sucht sofort einen Anwalt auf. Da liegt schon der Fehler. Rechtsschutzversicherungen sollen die anwaltlichen und gerichtlichen Kosten für einen Versicherten übernehmen, um ihm die Möglichkeit zu bieten, sein Recht in Anspruch zu nehmen, ohne daran durch Kostendruck gehindert zu werden. Das setzt aber voraus, dass das rechtliche Anliegen eines Versicherten auch begründet ist. Der Besuch bei einem Anwalt produziert aber schon sofort Kosten, auch wenn der Betroffene sich aus seiner Sicht im Recht sieht, das er aber gar nicht hat. So bleibt er im Zweifelsfall auf den Kosten sitzen.

Die sichere Seite

Entsteht eine rechtlich zu klärende Situation zwischen einem Versicherten und einem sogenannten “Gegner”, ruft der Betroffene zuerst seine Versicherung an und schildert den Fall. Da Rechtsschutzverträge ja sehr unterschiedliche Deckungskonzepte haben können, prüft die Versicherungsgesellschaft jetzt zunächst die Deckung und dann, ob eine Situation vorliegt, die ein berechtigtes Rechtsanliegen darstellt. Ein tätlicher Angriff kann das im Regelfall nie sein. Die Versicherung teilt nach erster Prüfung dem Versicherten mit, ob sich ein Anwalt der Sache annehmen soll, um die Berechtigung des Anliegens eingehend juristisch zu prüfen. Diese Kontaktaufnahme ist dann in jedem Fall kostenfrei, auch wenn der Anwalt keinen Sinn darin sieht, die Interessen des Mandanten weiter zu verfolgen. Grundlage dafür ist die Deckungszusage der Versicherung für das Erstgespräch, bevor es stattgefunden hat. Wer ohne eine solche Deckungszusage zum Anwalt geht, muss damit rechnen, das man auf den Kosten sitzen bleibt. Ein Anruf beim Versicherer und man ist auf der sicheren Seite!

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