Wann zahlt die gegnerische Kfz-Versicherung einen Anwalt?

Entgegen der üblichen Ansicht, zahlt im Falle eines Verkehrsunfalls die Versicherung des Schadenverursachers dem Geschädigten nicht nimmer die Kosten für die Inanspruchnahme eines Anwalts. Das hat das Landgericht Ingolstadt mit einem Urteil entschieden (Az.: 12 S 1523/15). Der Anlass für den Rechtsstreit über die Anwaltskosten war ein Unfall mit wirtschaftlichem Totalschaden. Bereits am Tag nach dem Unfall teilte der Versicherer des Verursachers der Geschädigten mit, dass sie nach Lage der Dinge die Entschädigung in vollem Umfang übernehme. Dennoch beauftragte die Geschädigte einen Anwalt mit der Wahrung ihrer Interessen. Diese Kosten wollte die Versicherung jedoch nicht übernehmen, da bereits kurz nach der Schadensmeldung die Übernahme der Kosten bestätigt wurden. Die Geschädigte strebte eine Klage über die Anwaltskosten an und unterlag. In der Begründung des Gerichts wurde auf die sofortige Übernahmebereitschaft der vollen Schadenskosten seitens der Versicherung verwiesen, was eine rechtliche Unterstützung zur Durchsetzung einer Forderung nicht nötig mache. Hinzu kam, dass die Geschädigte selbst in der Lage war, ihre Forderung zu formulieren und damit erfolgreich in vollem Umfang selbst ihre Interessen vertreten konnte. Anders hätte es sich im Falle einer gänzlichen oder teilweisen Weigerung der gegnerischen Versicherung gehandelt, oder wenn die geschädigte Person nicht in der Lage gewesen wäre, ihre Interessen selbst zu vertreten. Somit konnte sich die Versicherung des Schädigers erfolgreich auf das Gesetz zur Schadenminderung berufen, das auch für den Geschädigten gilt. Wer allerdings eine Rechtsschutzversicherung besitzt, hätte die Wahrung seiner Interessen durch einen Anwalt in jedem Fall vertreten lassen können – ohne Kostendruck!